zu den Regeln ….

Die Vorkommnisse in Grömitz, aber auch Fragen während der Regatten in Haltern und Surendorf geben Anlass, sich einmal mit unserem Regelwerk zu beschäftigen. Wären wir nicht O’pen BIC, wäre es ganz einfach, auf das pinke Buch mit den Wettfahrtregeln Segeln des DSV zu verweisen. Diese Übersetzungen der ISAF RRS sind aber alles andere als einfach und selbst für Fachleute häufig schwer zu verstehen.

Ziel der O’pen BIC Klasse ist es seit Jahren und weltweit, Kindern und Jugendlichen einfaches, unkompliziertes und faires Regattasegeln mit viel Freude und Spaß zu ermöglichen. Das Regelwerk war einfach und viel üblicher Ballast wurde einfach ausgeblendet. „Wir fahren eine Einheitsklasse ohne Materialwahn, Proteste gibt es nicht und Pumpen ist ab 10 Knoten erlaubt…“ sind die verkürzten Regeln unter denen wir uns sechs Jahre lang sehr wohl gefühlt und gut entwickelt haben.

Mit zunehmender Akzeptanz bei großen Clubs und in den Verbänden werden die Fragen nach einem „ISAF/DSV“ konformen Regelwerk aber immer lauter. Der O’pen BIC ist mittlerweile eine Deutsche Meisterschaftsklasse, wir fahren hochrangige Regatten und ziehen immer mehr anspruchsvolle Neueinsteiger an. Der individuelle Ehrgeiz steigert sich und wir müssen immer öfter begründen, warum wir bestimmte Dinge anders machen als die anderen. Das ist der Preis des Wachstums.

Wenn wir unsere Besonderheiten zukünftig nicht im offiziellen Regelwerk begründen können, öffnen wir Protesten und Berufungen Tür und Tor.

Die internationalen Klassenregeln geben nur wenig Hilfestellung, weil sie veraltet und teilweise unzutreffend sind oder unter ganz anderen Voraussetzungen geschrieben wurden, als sie für uns in Deutschland gelten. So darf die gesamte Ausrüstung eines Seglers nach diesen Regeln nur 4 KG wiegen. Das mag im Sommer auf der Adria gehen, aber bestimmt nicht im Frühjahr bei uns. International wird altersgetrennt in verschiedenen Flotten gesegelt, bei uns aber immer gemeinsam in einer Flotte. In Italien lässt man alle U13 Segler mit dem kleinen Segel starten, bei uns in einer gemeinschaftlichen Flotte ist das zu diskutieren. Klassenregeln, die für Kinder an der Cote d’Azur, der Adria oder auf der Biscayne Bay geschrieben wurden, können also nicht unbedingt für Jugendliche auf der Ostsee gelten. Wir müssen sie also auf unsere Bedürfnisse anpassen.

Gleiches gilt für die Wettfahrtregeln. International wird nach Appendix Q der ISAF RRS gesegelt, also mit Wasserschiedsrichtern und weitestgehend ohne nachträgliche Proteste. Bei uns geht das so einfach nicht, weil es nicht genügend ausgebildete Wasserschiedsrichter gibt und auf vielen Gewässern Motorboote sogar verboten sind. Also muss auch hier eine Modifikation her.

Uns ist diese Notwendigkeit lange bewusst, zumal unsere eigenen Regeln bei offiziellen Meisterschaften nicht gelten und wir uns der Allgemeinheit anpassen wollen . Aber auch hier haben wir Gestaltungsspielräume, wenn wir unsere Regeln sauber formulieren und klar begründen können.

Seit Ostern arbeiten deshalb die gewählten Obleute und der Vorstand zusammen mit Schiedsrichtern und DSV-Leuten intensiv an einer Neuformulierung der für unsere Klasse gewünschten Regeln. Anlass war das erstmalige Auftauchen des kleinen 3,8 m² Stoffsegels in Ribnitz, das in Italien für die EM vorgeschrieben ist, bei uns aber eigentlich nie gesegelt wurde.

Nun ist es nicht unsere Intention dieses Segel zu verbieten, im Gegenteil wir wollen es erlauben. Dann müssen wir es aber offiziell erlauben und allen vergleichbaren Seglern zugänglich machen. Dieses Segel ist nämlich nur auf den ersten Blick ein Nachteil für den Segler. Bei Starkwind kann es sich sehr schnell zum deutlichen Vorteil wandeln, weil es die Bootsbeherrschung vereinfacht und Kenterungen verhindert.   Wenn wir also dieses Segel erlauben, dann für alle in einer Gruppe.

Ergebnis dieser Gemeinschaftsarbeit ist ein Regelentwurf in dem wir alles zusammengefasst haben, was für unsere Klasse gelten soll und muss.

Im ersten Teil ist beschrieben welche Preise wir als Klasse vergeben, wie die Rangliste geführt wird und wie und warum wir welche Ranglistenfaktoren vergeben.

Im zweiten Teil werden in Klassenregeln die Altersstruktur, die Teilnehmer, die erlaubte Ausrüstung, das Boot und die Segel definiert. Hier haben wir im Wesentlichen alles erlaubt, was wir bisher toleriert haben. Explizit erlaubt wird das kleine Segel für Segler der jüngeren Altersklasse und für Segler unter 40 KG. Grundsätzlich vorgeschrieben werden eine Sicherheitsweste und die Schleppleine.

Im dritten Teil geht es um die Wettfahrtregeln auf Regatten in Deutschland. Da wird es tatsächlich etwas komplizierter. Wir haben Regel 42 (Vortrieb) soweit verändert, dass „Pumpen“ auf den Vor- und Raumwindschenkeln des Kurses ab 10 Knoten erlaubt werden kann. Verstöße werden mit „Kringelstrafen“ geahndet, aber nicht nach Anhang P mit weiterführenden Strafen über das Wettfahrtende hinaus.

Aber wer entscheidet das alles, wenn wir keine offiziellen Wasserschiedsrichter haben (können) und keine Protestverhandlungen wollen ?

Da haben wir uns den Realitäten der letzten Jahre angepasst. Segeln nach Appendix Q geht wie beschrieben zumeist nicht. Segeln ohne Proteste geht auch nicht. Es liegt also an uns, an jedem einzelnen, die Konflikte auf dem Wasser zu lösen. So haben wir es jahrelang erfolgreich praktiziert.

Unterstützt wurden wir dabei von Betreuern auf dem Wasser die mit dem Feld gefahren sind und die Funktion von Schiedsrichtern übernahmen, ohne juristisch Schiedsrichter zu sein. Diese haben die Rennen aus der Nähe beobachtet, auf Regelverstöße hingewiesen und protokolliert, ob die Beteiligten sich korrekt verhielten und kringelten. Einfach, informell aber effizient. In sechs Jahren auf über 100 Regatten hatten wir so faktisch keine Probleme.

In Anlehnung an dieses Verfahren haben wir eine Regel formuliert, die handhabbar ist und in Grömitz manchen Ärger verhindert hätte.

Dieses Regelwerk ist nicht in Stein gemeißelt und wir sollen und müssen es den Gegebenheiten anpassen. Wir würden aber gerne umgehend, nämlich zur nächsten Regatta in Krefeld anfangen danach zu segeln.

Diesen Regeln haben zum 22.05.2015 formal alle gewählten Obleute, der erste Vorsitzende, die Jugendwarte und große Vereine zugestimmt. Nicht an der Abstimmung beteiligt hat sich trotz mehrfacher Aufforderung der stellvertretende Vorsitzende. Der Kassenwart hat dagegen gestimmt. Formal sollte der Entwurf damit angenommen sein. Das Gesamtgremium hat mit deutlicher Mehrheit zugestimmt und auch das Votum des Vorstandes kann mit der satzungsgemäßen Doppelstimme des Vorsitzenden (bei Stimmgleichheit) positiv interpretiert werden.

Obleute und Vorsitzender gehen also davon aus, dass diese Regeln umgehend Basis unserer Regattatätigkeit werden. Die Regeln stehen hier zum Download bereit:  

Wettsegelordnung 2015

Kommentar verfassen