Tolle Premiere in Grömitz (eigentlich)

von Marcus Cremer

Über das lange Pfingstwochenende nahm die O’pen BIC Klasse erstmals an der SUPER SAIL TOUR in Grömitz teil. Diese  Tour ist die führende  Regattaserie der Hobie Cats und hat in diesem Jahr die O’pen BIC als Jugendklasse hinzugenommen.  Über 80 Cats aus aller Welt und 25 O’pen BICs gingen vor dem Grömitzer Sandstrand an den Start.  Die Veranstalter der Tour hatten nicht nur für tolles Event Ambiente mit Livemusik und leckerer Verpflegung gesorgt, sondern auch für strahlenden Sonnenschein.

Pünktlich zum Start am Samstag riss der Himmel auf und die graue Suppe wich strahlendem Sonnenschein und mildem aber drehendem Wind. Während die Cats spektakulär und fachkundig kommentiert vor der beeindruckenden Seebrücke segelten, starteten die O’pen BICs in sicherer Entfernung vor dem Grömitzer Yachthafen.  Wie schon zuvor in Surendorf gingen auch hier in Grömitz zahlreiche ortsansässige Newcomer an den Start ihrer ersten O’pen BIC Regatta. Zu diesen Seglern aus Niendorf, Scharbeutz und Grömitz gesellten sich große Teams aus Hamburg (HSC), Lübeck (LYC) und das Team NRW.
An drei Tagen konnten insgesamt sieben Wettfahrten gesegelt werden. Die Regatta wurde am Ende von Lennart Frohmann vor seinem Bruder Magnus aus Düsseldorf und Leonard Beyer aus Hamburg gewonnen.  Nach dem Hartwetter-Race in Surendorf eine Woche zuvor, waren es diesmal Bedingungen, die den leichten Nachwuchs beförderten.

Am Samstag gingen die Segler pünktlich auf das erfrischend kühle Wasser und konnten in den gut zwei Stunden bis zum ersten Start die Strandkörbe zählen oder den bunten Cats bei deren Läufen zuschauen. Der Wind liess leider stetige Bahnänderungen notwendig erscheinen. Nach gut fünf Stunden auf dem Wasser waren drei Läufe gesegelt und Lennart führte das Feld vor Magnus und Leo an. Entgegen dem Usus in unserer Klasse wurden die Rennen nicht von Jurymitgliedern auf dem Wasser begleitet, was abends Raum für erste Protestversuche liess. Erste Proteste wegen Vorfahrtsverletzungen, wegen undefinierter Startlinie oder wegen eines DLRG-Bootes auf der Startlinie konnten aber mit Argumenten und gutem Zureden abgebogen werden. LYC und HSC haben dann spontan angeboten, ihre Coachboote an den nächsten Tagen für Wasserschiedsrichter zur Verfügung zu stellen, um eine Überwachung auf dem Wasser sicherzustellen. Dieser pragmatische Vorschlag wurde aber abgelehnt und für Sonntag und Montag ein uns bis dahin völlig unbekanntes Spielfeld eröffnet.
Am Sonntag blieb das Wetter schön und der Wind blies mässig. Nach langer Vorstartphase wurden wieder drei Läufe gesegelt, von denen eigentlich nur in Erinnerung blieb, daß sie zu den ersten wirklich verhandelten Protesten in der Deutschen O’pen BIC Geschichte führten. Eine Disqualifizierung und zwei Abweisungen waren das Resultat, am Ergebnis änderte sich indes nichts. Die tolle Stimmung des Events wurde dadurch aber tatsächlich getrübt und die Diskussionen über die für uns neuen Erfahrungen wollten nicht wirklich enden.  Erfreulicher Höhepunkt des Abends war aber der Auftritt von Luisa Krüger auf der Showbühne. Sie bewies, daß sie nicht nur eine engagierte Trainerin sondern auch eine ausgebildete Sängerin ist. Das hat die Stimmung tatsächlich aufgehellt.
Die Quittung für die Querelen lieferte am nächsten Tag der Himmel.  Die Sonne wollte dem Schauspiel nicht  zusehen und auch der Wind hatte keine wirkliche Lust mehr.  Diesmal wurden die Segler erst aufs Wasser gerufen als die Bahn lag, aber auch das führte zu Dissonanzen weil es an den entsprechenden Flaggensignalen an Land fehlte. Die unermüdlichen Organisatoren haben für die letzte Wettfahrt dann tatsächlich noch einen Fahnenmast extra für uns gesetzt, der die Startverschiebung tatsächlich auch offiziell signalisierte. 
Während die Hobies garnicht mehr segelten, fuhren die O’pen BICs noch eine Wettfahrt. Sportlich gewann der erfahrene Jouri Clephas diesen Schwachwindlauf und bewies erneut, dass Gewicht kein Handicap ist und mit Können aufgewogen werden kann.  Da der einzige Lauf die Energien nicht wirklich gefordert hatte, wurden diese dann am Schreibtisch des Protestraumes ausgelebt.
Es war schon traurig zu beobachten wie junge Segler, die Proteste bisher aufs tiefste verabscheuten, sich nun gegenseitig dazu anstachelten. Ein ganzes Portfolio an Protestvarianten wurde dabei ausgefüllt. Segler gegen Segler wegen Wegerechtsverletzung, Wettfahrtleitung gegen Segler wegen Beleidigung, Segler gegen Segler aus dem gleichen Grund …  Am Ende gab es wieder einen DSQ und alles andere verlief im weissen Grömitzer Ostseesand. Geändert hat es nichts, das Ergebnis blieb das Gleiche. Aber 150 zum Teil weit angereiste Segler mussten zwei Stunden auf die gemeinsame Siegerehrung warten und die Stimmung unter uns war komplett am Boden.
Schade, dass ein so tolles Ereignis wie die erste Teilnahme an der SUPER SAIL TOUR in so zweifelhafter Erinnerung bleiben wird.  Die Veranstalter haben sich alle Mühe gegeben und ein organisatorisch perfektes Event auf die Beine gestellt. Die Hobies waren tolle Gastgeber und haben uns mit offenen Armen aufgenommen.  Statt einer aufstrebenden optimistischen Jugendklasse haben sie leider nur eine Klasse im Pflegelalter erlebt. 
 
Anfang Juli in Scharbeutz sollten wir zeigen, dass wir nicht nur anders können, sondern dass wir tatsächlich auch anders sind !  Und das sind wir nicht nur den Veranstaltern schuldig, sondern vor allem auch den vielen jungen Seglern die zu uns gekommen sind und zu uns kommen wollen!
 
also: Have fun  sail fairly and respect your fellow competitor !!!!!!!!!!!!!!!  

 

 Result

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