Ranglisten – Erklärung

Rangliste für Dummies  😉       teilweise aktualisiert ….

Dieser Beitrag soll die gedanklichen Hintergründe erhellen, auf deren Grundlage wir unsere Wettkampfregeln aufgestellt haben und zukünftig unsere Ranglisten führen und unsere Titel vergeben werden. Er ist so verfasst, dass er auch von Kindern und Jugendlichen verstanden und nachvollzogen werden kann und erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Präzision.  Das Augenzwinkern hinter der Überschrift gilt für den gesamten Inhalt.

Auf der Hauptversammlung am 28.01.2012 in Düsseldorf haben wir einstimmig beschlossen, die Deutsche O'pen BIC Klassenvereinigung (DOBKV) dem DSV (Deutscher Segler Verband) anzuschliessen  und unsere sportlichen Regularien dem  DSV-Standard anzunähern.

Das ist wichtig, um die Verbreitung der O'pen BIC Klasse langfristig zu fördern und wirklich sportliche Akzeptanz für unsere Wettbewerbe zu erhalten. bis 2012 fuhren wir selbst organisierte Regatten und führten eine Rangliste nach eigenen Regeln. Wir hatten keine Deutschen Meisterschaften, sondern veranstalten "German Cup".  Das hatte ausserhalb unserer Klasse eine ähnlich sportliche Bedeutung wie Fussball einer Thekenmannschaft  mit einem Sieg auf einem Gerümpel-Turnier.

 

Die sportliche Akzeptanz ist aber wichtig, wenn wir uns in Deutschland weiter verbreiten wollen. Die Entscheidung für ein Boot oder eine Bootsklasse fällt nämlich nicht nur auf Grundlage des Spassfaktors für die Segler oder des Bootspreises. So gammeln in den grossen traditionsreichen Segelclubs zwar ganze Flotten von Optis oder 420ern vor sich hin, wogegen sich unser O'pen BIC fast nur in jungen Vereinen wie Eschweiler oder Pulheim bzw. in Segelschulen findet. Bei den Faktoren Spass und Preis haben wir die Nase weit vorn, Tradition, Image und sportliche Akzeptanz fehlen uns dagegen noch. Und kein grosser Verein wird in eine Flotte investieren, deren sportliche Qualitäten nicht von seinem Verband bestätigt werden.

Solche Entscheidungskriterien gelten natürlich nicht nur für Clubs, sie gelten auch für Väter. Wenn wir Geld in die Boote unserer Kids stecken, möchten wir auch sportliche Erfolge sehen. Und zwar Erfolge, die auch anerkannt werden. Wenn Papa abends am Stammtisch stolz erzählt, dass Sohnemann Meister in der O'pen BIC ist und der Traditionalist einfach nur antwortet:  O'pen BIC , was ist das denn? Ist ja nicht mal im DSV, da kannst Du ja gleich Rollschuh-Ping-Pong spielen . Dann ist das Gelächter gross und der Stolz vorbei. Aus solchen Gründen werden immer noch mehr kantige Optis verkauft als schnelle O'pen BICs.

Offizielle Deutsche Meisterschaften dürfen nur von den Sportverbänden ausgetragen werden, die dem DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) angehören, in unserem Falle also vom DSV. Um im Rahmen des DSV offizielle Meisterschaften austragen zu dürfen, muss eine Klassenvereinigung Mitglied im DSV sein, eine Mindestanzahl registrierter Boote und Segler haben und eine Rangliste nach DSV-Standards führen.

Folgerichtig hat die Deutsche O'pen BIC Klassenvereinigung am 30.01.2012 die Aufnahme in den DSV beantragt und seit 2012 ihre Ranglisten Tour nach den Ranglisten-Standards des DSV ausgerichtet.

Ziel war es, in 2012 die Voraussetzungen zu schaffen, um 2013 offizielle Deutsche Meisterschaften, in unserem Falle  Jüngstenmeisterschaften ausrichten zu können. Diese Meisterschaften werden dann nicht mehr von der KV ausgerichtet, sondern  ganz offiziell vom DSV und es gibt keine Preise aus dem Pokal-Supermarkt mehr, sondern  offizielle DSV-Medaillen und Urkunden mit Bundesadler und schwarz-rot goldenen Bändchen.

Da wir dies geschafft haben, werden wir nicht mehr nur in Haltern, Eschweiler oder Surendorf segeln, sondern auch irgendwann in Kiel, Hamburg oder Starnberg. Ob das dann noch Spass macht, ist eine andere Frage.

Die meisten formalen Voraussetzungen für die Aufnahme in den DSV haben wir erfüllt. Die Aufnahme erfolgte Anfang 2013. Etwas aufwändiger waren die notwendigen Änderungen bei der Rangliste. Der DSV gibt hierfür relativ strenge Vorgaben, die auf unsere besonderen Bedürfnisse angepasst werden mussten. Dabei wollten wir den Spass am Segeln und die Vielfalt in unseren Wettfahrten  im Vordergrund halten, uns in der Bewertung aber dem DSV anpassen.

Im DSV-Wettkampfsystem ist die Rangliste aber nur einer von unterschiedlich wertigen Wettbewerben. Sie dient als Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften, für andere in der Teilnehmerzahl beschränkte Regatten, wie die der Kieler Woche, und für internationale Meisterschaften. Auf Grundlage der Rangliste werden diese Top-Events organisiert. Sportliche Höhepunkte sind aber sicher die Meisterschaften und nicht die Ranglistenplatzierungen. Das sollten wir bei der Diskussion über unsere neue Ranglistenordnung im Hinterkopf behalten und bei den zukünftigen Ehrungen berücksichtigen.

Grundsätzlich müssen wir uns auch klar machen, dass die DSV-Ranglistenverordnung ein Regelgerüst für alle Bootsklassen des DSV ist. Das reicht vom Opti über den 470er bis zur Hochseeyacht.

Während wir auf einer windreichen Regatta 10 – 12 Wettfahrten zusammenbekommen, reicht es im Hochsee-Bereich oft nur für ein bis zwei Wettfahrten. Während wir eine Wettfahrt mit 45 Minuten schon als lang empfinden, benötigen andere diese Zeit nur um die Segel hoch zuziehen und sind dafür 12 Stunden unterwegs.  Während wir in Surendorf 4 Wettfahrten gewertet haben, sind die Kats nur einmal um die Bucht gekommen. Vor diesem breiten Anforderungsspektrum sind die Regeln des DSV zu sehen und zu interpretieren.

Eine Rangliste nach DSV ist grundsätzlich eine fortlaufende Rangliste, in der die Ergebnisse der letzten 12 Monate gewertet werden. Ranglisten-Sieger ist der(die), der (die) am 30. November eines Jahres vorne steht. Ähnlich kennen wir das aus der Tennis-Weltrangliste, die sogar über mehrere Jahre gewertet wird.

Es wird also nicht am 01. Januar mit 0 neu gestartet, sondern auf den Ergebnissen des Vorjahres aufgebaut. Mit neuen Ergebnissen des aktuellen Jahres werden dann die Ergebnisse des Vorjahres gestrichen. Nach unseren beiden Regatten im April werden also diese Ergebnisse in die Rangliste aufgenommen und die Ergebnisse aus dem April 2012 gestrichen. Statistisch bedeutet dies, dass wir im April schon 72 Segler in der Rangliste haben werden, es aber auch länger dauert, bis sich persönliche Erfolge auf die Position in der Rangliste auswirken.

Unsere Regatten und die ausrichtenden Vereine werden in der Lage  sein, alle formalen Anforderungen an eine Ranglistenregatta zu erfüllen. Für die Anerkennung einer Regatta ist aber auch die Zahl der Teilnehmer und der Regattatage relevant. Eine Regatta, die für weniger als zwei Tage ausgeschrieben ist und / oder nicht in mindestens einer Wettfahrt 10 Boote am Start hatte, geht nicht in die Rangliste ein. Alle Starter müssen Mitglied in einem DSV-Verein sein.

Die Anzahl der Wettfahrten, Windgeschwindigkeiten, Wettfahrtdauer und Zeitlimit sind Soll- oder Kann-Bestimmungen und können von uns in den Klassenregeln angepasst werden. Die Kurse werden von der DSV-Ranglisten-Ordnung ebenfalls nicht geregelt und sind also auch frei definierbar.  In diesem System gestalten wir heute Ranglistenregatten nach unseren Bedürfnissen.

Um eine Regatta zu werten und in die Rangliste einfliessen zu lassen, gibt der DSV folgende Formel vor:

RA = F * 100 * ((S+1-X)/S)

Das sieht komplizierter aus als es ist.

RA bezeichnet die Ranglistenpunkte aus einer Regatta.
F    ist der Ranglistenfaktor, den die KV für eine Regatta vergibt (1,0 bis 1,6).
S    ist die Zahl der Boote, die mindestens eine Wettfahrt abgeschlossen haben (Teilnehmer).
X   ist der Platz, den das Boot in der Regatta insgesamt erreicht hat.

Wenn wir das auseinanderlegen, ergibt der Teil vor dem Klammerungetüm wie viele Punkte der Sieger bekommt. Der Teil in der Klammer ergibt die Punktzahl, die für jeden folgenden Platz davon abgezogen wird.

Bei einer Regatta mit dem Ranglistenfaktor 1,2 bekommt der Sieger so 120 Punkte. Errechnet aus dem Ranglistenfaktor 1,2 * 100 * dem Ergebnis der Klammer (1). Für den Ersten ergibt sich nämlich aus der Auswertung der Klammer immer der Faktor 1.

Teilnehmer (S) +1  – Platz (X=1) = Teilnehmer (S)  / Teilnehmer (S)  =  1

Für die Folgenden in der Regatta ergeben sich hingegen kleinere Werte, da  die Anzahl der Teilnehmer in die Formel einfliesst. Je grösser das Starterfeld, umso grösser der Wert, umso kleiner der Punktunterschied zwischen den verschiedenen Platzierungen und damit mehr Punkte für jden Platz. Eine Regatta mit vielen Teilnehmern gibt also mehr Punkte als eine kleine Regatta.

Für den zweiten Platz ergeben sich zum Beispiel in Abhängigkeit der Teilnehmerzahl und der Multiplikation mit dem Ranglistenfaktor (RA=1,2) und 100 folgende Werte:

10 Teilnehmer (S) +1 = 11 – Platzierung (X=2)  =  9  / Teilnehmer (S = 10)  = 0,90  * RA(1,2) *100  =  108,0
15 Teilnehmer (S) +1 = 16 – Platzierung (X=2)  = 14  / Teilnehmer (S = 15) = 0,93  * RA(1,2) *100  =  111,6
20 Teilnehmer (S) +1 = 21 – Platzierung (X=2)  = 19  / Teilnehmer (S = 20) = 0,95  * RA(1,2) *100 = 114,0
25 Teilnehmer (S) +1 = 26 – Platzierung (X=2)  = 24  / Teilnehmer (S = 25) = 0,96  * RA(1,2) *100  =  115,2

In Abhängigkeit von Teilnehmerzahl und Ranglistenfaktor ergibt sich folgende Punktematrix:

Faktor

1,2

 

Teilnehmer

 

 

1,4

 

Teilnehmer

 

 

Platz

10

12

15

20

25

30

10

12

15

20

25

30

1

120,0

120,0

120,0

120,0

120,0

120,0

140,0

140,0

140,0

140,0

140,0

140,0

2

108,0

110,0

112,0

114,0

115,2

116,0

126,0

128,3

130,7

133,0

134,4

135,3

3

96,0

100,0

104,0

108,0

110,4

112,0

112,0

116,7

121,3

126,0

128,8

130,7

4

84,0

90,0

96,0

102,0

105,6

108,0

98,0

105,0

112,0

119,0

123,2

126,0

5

72,0

80,0

88,0

96,0

100,8

104,0

84,0

93,3

102,7

112,0

117,6

121,3

6

60,0

70,0

80,0

90,0

96,0

100,0

70,0

81,7

93,3

105,0

112,0

116,7

7

48,0

60,0

72,0

84,0

91,2

96,0

56,0

70,0

84,0

98,0

106,4

112,0

8

36,0

50,0

64,0

78,0

86,4

92,0

42,0

58,3

74,7

91,0

100,8

107,3

9

24,0

40,0

56,0

72,0

81,6

88,0

28,0

46,7

65,3

84,0

95,2

102,7

10

12,0

30,0

48,0

66,0

76,8

84,0

14,0

35,0

56,0

77,0

89,6

98,0

12

 

10,0

32,0

54,0

67,2

76,0

 

11,7

37,3

63,0

78,4

88,7

15

 

 

8,0

36,0

52,8

64,0

 

 

9,3

42,0

61,6

74,7

20

 

   

6,0

28,8

44,0

 

   

7,0

33,6

51,3

25

 

     

4,8

24,0

 

     

5,6

28,0

30

 

 

 

 

 

4,0

 

 

 

 

 

4,7

Das war der erste Streich. Wir wissen nun, wie viele Punkte ein Platz auf einer Regatta für die Rangliste mindestens bringt und dass grössere Regatten höher bewertet werden. Das ist dem DSV aber nicht genug. Er multipliziert die oben aufgezeigten Punkte der Ranglistenregatten in Abhängigkeit von der Anzahl der Wettfahrten mit einem Faktor M und nimmt somit M Wertungen pro Regatta in die Rangliste auf. Der Faktor M richtet sich dabei nach der Anzahl der Wettfahrten und Regattatage.

1 Wettfahrt      M = 1
2 Wettfahrten  M = 2
3 Wettfahrten  M = 3

3 ist der Höchstwert für 2-tägige Regatten.  Erst ab 3-tägigen Regatten gelten folgende Werte:

4 Wettfahrten  M = 4
5 und mehr Wettfahrten M = 5

Dieser Faktor M bestimmt auch die Anzahl der Wertungen, mit der eine Regatta in die Rangliste einfliesst.  Eine Regatta mit M = 3 bringt also 3 Wertungen in der Rangliste, eine dreitägige Regatta mit mehr als 5 Wettfahrten und M = 5 bringt 5 Wertungen in die Rangliste.
Das bedeutet konkret, dass die Punktzahl, die ein Teilnehmer für seine Platzierung bekommt mit dem Faktor multipliziert wird und dann in die Rangliste eingeht. (120 * 3 = 360  /  120 * 5 = 600)

Es ergibt sich folgende Matrix:

Faktor

1,2

 

Teilnehmer

M =

3

1,4

 

Teilnehmer

M =

5

Platz

10

12

15

20

25

30

10

12

15

20

25

30

1

360,0

360,0

360,0

360,0

360,0

360,0

600,0

600,0

600,0

600,0

600,0

600,0

2

324,0

330,0

336,0

342,0

345,6

348,0

540,0

550,0

560,0

570,0

576,0

580,0

3

288,0

300,0

312,0

324,0

331,2

336,0

480,0

500,0

520,0

540,0

552,0

560,0

4

252,0

270,0

288,0

306,0

316,8

324,0

420,0

450,0

480,0

510,0

528,0

540,0

5

216,0

240,0

264,0

288,0

302,4

312,0

360,0

400,0

440,0

480,0

504,0

520,0

6

180,0

210,0

240,0

270,0

288,0

300,0

300,0

350,0

400,0

450,0

480,0

500,0

7

144,0

180,0

216,0

252,0

273,6

288,0

240,0

300,0

360,0

420,0

456,0

480,0

8

108,0

150,0

192,0

234,0

259,2

276,0

180,0

250,0

320,0

390,0

432,0

460,0

9

72,0

120,0

168,0

216,0

244,8

264,0

120,0

200,0

280,0

360,0

408,0

440,0

10

36,0

90,0

144,0

198,0

230,4

252,0

60,0

150,0

240,0

330,0

384,0

420,0

12

 

30,0

96,0

162,0

201,6

228,0

 

50,0

160,0

270,0

336,0

380,0

15

 

 

24,0

108,0

158,4

192,0

 

 

40,0

180,0

264,0

320,0

20

 

   

18,0

86,4

132,0

 

   

30,0

144,0

220,0

25

 

     

14,4

72,0

 

     

24,0

120,0

30

 

 

 

 

 

12,0

 

 

 

 

 

20,0

 

 

 

Um überhaupt in der Rangliste geführt zu werden, benötigt ein Teilnehmer nach DSV mindestens 9 Wertungen aus 3 Regatten.  Das wären 3 Starts bei  Regatten mit Multiplikator (M=3) oder 5 Starts bei Regatten mit Multiplikator (M=2) oder 9 Regatten mit Multiplikator (M=1). Nach DSV fliessen aber auch nur diese besten 9 Wertungen in die Rangliste ein.

Die Rangliste wird nun aber nicht nach der Summe aller Punkte aufgestellt, sondern nach dem Mittelwert aus den besten 9 Wertungen. Die Anzahl der Punkte wird also noch einmal durch 9 geteilt.

Nun wissen wir wie eine Rangliste nach DSV-Standards aufgstellt wird. Seit 2012 segeln wir nach diesen Regeln und 2013 konnten wir die erste echte Deutsche Meisterschaft zusammen mit den anderen DSV-Jugendklassen in Ribnitz segeln.

Über die Teilnahme an diesen Meisterschaften entscheiden aber dann nicht mehr Ihr, Eure Väter oder die Clubs, sondern der DSV.  Teilnahmeberechtigt an Deutschen Meisterschaften ist nur, wer 2 Wochen vor Meldeschluss mindestens 25 Punkte in der aktuellen Rangliste hat. 

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