World O’pen 2012

   

Die Saison 2012 begann auf dem Pulheimer See bei Köln und fand Ihren Höhepunkt beim World O'pen Cup in Miami.   Hier die Zusammenfassung der "Live"-Berichterstattung aus Miami.

Montag:  Alle da …

Die letzten Trainingstage sind nun angebrochen und Felix Bergfort kann auf das gesamte Team Germany zugreifen. Alle Seglerinnen und Segler sind wohlbehalten in Miami angekommen und bereiten sich motiviert auf Training und Wettbewerbe vor. Direkt vor der Skyline von Miami Downtown auf der Biscayne Bay konnten bereits die ersten Trainingseinheiten mit nagelneuen Schiffen absolviert werden. Nachdem der Sturm „Sandy“ schon letzte Woche an Miami vorbeigezogen ist, hofft das Team Germany nun auf perfektes Segelwetter.

Dienstag:  Langsam wird es ernst! 

Am Dienstag sind unsere Teilnehmer in Miami bei zwei Trainingseinheiten zum ersten Mal richtig gefordert worden. Der Wind wehte frisch und häufig drehend. Böen bis 5 bft. machten die Übungseinheiten zur anspruchsvollen Segelei. Gut, dass die Biscayne Bay die Wassertemperatur einer mitteleuropäischen Badewannenfüllung hat. Unerwartet bekam das Team Germany noch Verstärkung: Thijs Wijnheijmer ist als einziger Teilnehmer aus den Niederlanden nach Miami geflogen und hat mit seinen deutschen Freunden trainiert. Der Höhepunkt des Tages war aber zweifelsfrei die Begegnung mit Delfinen, die unsere Segler zeitweise auf ihren Kursen begleiteten. Neben unserem Team waren auch die Gastgeber, Italien und Frankreich auf dem Wasser.
 

Mittwoch:  offizieller Start der WM

Am Mittwoch werden die Weltmeisterschaften offiziell eröffnet und beginnen mit ersten Practice Races auf den endgültigen Regattabahnen. Abends gibt es für alle Starter eine Halloween-Party am Yachtclub. Nachdem die Kids Montag und Dienstag einige anspruchsvolle Trainingseinheiten absolviert hatten, ging es Mittwochmorgen zum letzten Mal ohne offizielles WM-Lycra auf das Wasser. Nach einer kurzen Trainingseinheit zum "Warmwerden" wurden alle Starter mit den offiziellen WM-Lycras ausgestattet und zu einem ersten offiziellen Practice-Race in die Biscayne-Bay geschickt. Neben dem Deutschen Team sind Teilnehmer aus den USA, Australien, Neuseeland,Brasilien, Argentinien, Puerto Rico, den Bermudas, Italien, Sardinien, Frankreich und Japan am Start.Die Niederlande werden durch unseren Freund Thijs Wijnheijmer vertreten und die Schweiz ist mit Florin van Roomen am Start. 

In diesem starken Feld konnten sich alle Deutschen im Practice Race gut behaupten und fuhren teilweise exzellente Platzierungen ein. Dieses Übungsrennen dient dazu, das Gewässer zwischen den Promi-Inseln Palm-, Star- und Hibiscus Island und dem Venetian Causeway kennenzulernen und geht somit in keine Wertung ein.  Schiffbrüchige Seglerinnen werden hier planmäßig von George Cloney und Sylvester Stallone nach Hause gebracht, auf schiffbrüchige Segler warten Shakira, Haley Berry und Barbara Becker an ihren Privatstränden.

Wenn der Tropensturm Sandy Miami letzte Woche auch weitestgehend verschonte, treffen seine Folgen nun doch den World O‘pen CUP. Die Teilnehmer aus dem Nord-Osten der USA konnten nicht anreisen oder mussten verständlicherweise andere Prioritäten setzen. So sind insgesamt "nur" 108 Teilnehmer am Start. Am Mittwochabend gab es eine sehr launige Eröffnungszeremonie mit anschließender Halloween-Party. Die Halloween-Nacht haben unsere Athleten aber nicht mehr erlebt, da Trainer Felix Bergfort alle gegen 9.00 Uhr ins Bett geschickt hat. Und was Felix sagt ist Gesetz!  Morgen (Donnerstag) ist Regatta!

Donnerstag:  Endlich geht es los…
 

Der erste Regattatag in Miami begann für die Athleten schon ganz früh morgens. Die Veranstalter hatten bereits für 8.00 Uhr ein gemeinsames Frühstück und für 9.00 Uhr die erste Steuermannsbesprechung angesetzt. Danach ging es bei perfektem Sonnenschein auf die Biscayne Bay zu den ersten Wettfahrten. Leider musste das Team Germany befürchten, den Flauten-Fluch aus Eschweiler mit nach Florida gebracht zu haben. Zunächst dümpelten die 108 O‘pen BIC Segler bei spiegelglattem Wasser tatsächlich vor sich hin und hatten keine Chance auf einen Start. Nach 90 Minuten Geduld kam endlich eine leichte Brise auf, die sich später zu einem stabilen Wind mit 2 – 3 bft entwickelte. Insgesamt konnten bei tollen Bedingungen vier Wettfahrten gestartet und gewertet werden. Damit ist der World O'pen Cup nach dem ersten Tag schon eine gültige Regatta.

Bei den eher schwachen Winden waren die kleinen und leichten Segler wieder einmal im Vorteil. Unsere Favoriten Patrick, Basti, Maximilian, Ines und Jill gehören aber eher zu den schweren im Feld. Die Ergebnisse sind bis jetzt noch nicht endgültig, aber wir wissen, dass unsere Segler durchwachsene Resultate gesegelt sind. Alle hatten starke Wettfahrten, aber jeder hatte dabei auch seine Aussetzer. Für Freitag ist etwas stärkerer Wind angesagt, der uns auf stabil gute Ergebnisse hoffen lässt.

Insgesamt sind 12 bis 15 Wettfahrten geplant, das würde mindestens 3 Streichergebnisse bedeuten. Wenn unsere Segler bisher doch eher unzufrieden sind, ist noch lange nichts verloren. Nach einem harten ersten Segeltag kamen alle gegen 16.00 Uhr vom Wasser und wurden mit Unmengen von Pasta bestens versorgt. Am Abend überraschten die Ausrichter mit einem tollen Feuerakrobaten, der seine Kunst am Strand vor der Skyline von Miami Beach vorführte und dem Tag einen schönen Abschluss brachte.

Freitag:   langer Tag auf dem Wasser

Über sieben Stunden haben unsere O’pen BIC Segler am Freitag auf der Biscayne Bay verbracht. Nach einer ausführlichen Steuermannsbesprechung in mehreren Sprachen ging es gegen 10.00 Uhr aufs Wasser. Die erste Wettfahrt wurde bei stabilen 2-3 bft. gestartet. Unsere Deutschen Starter kamen endlich gut ins Rennen und konnten ansehnliche Ergebnisse herausfahren.
Im zweiten Lauf kam leider unser Flautenfluch zurück und der Wind ließ während der Wettfahrt stark nach. Dies in Verbindung mit plötzlich einfallenden, instabilen Böen wirbelte das Feld ziemlich durcheinander. Neben dem Wind machte unseren Athleten auch die tidenbedingte Strömung in der Biscayne Bay zu schaffen. Ohne Wind und bei 4 m Strömung treibt man halt schon mal an einer Tonne vorbei und kann absolut nichts (erlaubtes) dagegen tun. Hier konnten die Lokalmatadoren natürlich ihre Revierkenntnis ausspielen und souverän punkten. Nicht nur wir Deutschen hatten unsere Probleme, auch Thijs aus Holland blieb deutlich hinter seinen Erwartungen zurück. Etwas besser erging es unseren Jüngsten. Jill und Luca konnten an der Spitze schnuppern, und auch Felix fuhr zweimal deutlich in die erste Hälfte des Feldes.

 

 

Die Mittagspause wurde sehr lang, da wir alle auf Wind warten mussten. Obwohl kein konstanter Wind mehr einsetzte, wurde noch eine dritte Wettfahrt gestartet. Auf einem sehr komplizierten Kurs mit Up and Down und einem Slalom wurde das Feld wieder erheblich durchgewürfelt. Dabei taten sich die unsere Kinder wieder schwer und konnten die Ergebnisse des Vormittags nicht bestätigen. Insgesamt konnten wir heute feststellen, dass das seglerische Niveau der Klasse insgesamt sehr gestiegen ist, und wir Deutschen mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln durchaus begrenzt sind. Patrick, Basti und Jill segeln sicher an ihrem persönlichen Limit, haben aber gegen Segler, die 6 mal pro Woche auf dem Wasser trainieren, bei diesen Winden kaum eine Chance. Uns bleibt die Hoffnung auf den dritten Tag. Für Samstag ist wieder ist mehr Wind angesagt und dann können wir ja noch mal richtig loslegen.

Die Stimmung in unserem Team ist aber trotzdem bestens. Die WM wird zum globalen Ereignis und wir konnten nach dem langen Tag auf dem Wasser noch eine tolle Poolparty im Wasser miterleben. Zum Abschluss des Freitag gab es im Miami Yacht Club Livemusik vom feinsten. Am Samstag folgen nun die letzten Rennen mit Siegerehrung und Abschlussfeier.

Samstag:  Finale…

Nachdem am Freitag nur drei Wettfahrten gesegelt werden konnten, trafen sich die Aktiven am Samstag eine Stunde früher als sonst, um noch möglichst viele Läufe einfahren zu können. Bei schönem Wind konnten drei weitere reguläre Wettfahrten in der Biscayne Bay vor Miami Downtown gesegelt werden. Als der Wind gegen Mittag wieder abflaute, wurde zum "krönenden" Abschluss noch ein Adventure-Race mit einem gemeinsamen Start aller Teilnehmer gefahren. Bei diesem Rennen war Pumpen und Rollen explizit erlaubt und so pumpten sich alle Teilnehmer eine Stunde lang über die Bay. Dieses "Fun"-Race sorgte aber abschließend für viele Diskussionen weil es voll gewertet wurde und einige Verwerfungen im Feld verursachte. Bei uns in Deutschland wird so etwas als Gag gefahren und nicht gewertet, in den USA gilt es -konform mit den O'pen BIC Regeln- als echter Wettbewerb.

Die drei Wettfahrten des Samstagmorgen haben allen viel Spaß gebracht und zeigten spektakuläres Segeln.

Samstag:  noch viel Luft nach oben …

Unsere Athleten konnten leider alle nicht wirklich überzeugen. Teilweise gut gestartet wurden Sie immer weiter nach hinten durchgereicht. Lediglich unsere Jüngsten zeigten eine stabile Leistung:

U13

Jill wurde bei den Mädchen unter 13 Jahren am Ende Zweite. In der Gesamtwertung dieser Altersklasse reichte das für den 11. Rang. Ebenfalls sehr stark präsentierte sich am Samstag noch einmal Luca Schneider, der insgesamt 13.er wurde. Er segelte beständig unter den ersten 20 und einmal sogar auf den achten Platz. Auch der kleinste im Team, Felix Cremer segelte mehrfach in die Zwanziger und einmal sogar auf den 19.ten Platz. Wegen des schwachen Freitags landete er insgesamt auf dem 34. Platz.

Die Altersklasse wurde überlegen von Sean Herbert aus Neuseeland mit 19 Punkten vor Mikey Wolman von den Bermudas mit 21 Punkten und der fantastischen Kristen Wedley aus Australien mit 26 Punkten gewonnen. Knapp vierter wurde unser Freund Florin van Roomen aus der Schweiz. Gut, dass diese auch im Pumprennen in fast dieser Reihenfolge angekommen sind, sonst wäre der Ärger sicher groß gewesen.

U15

Bei den U15 wurde Maximilian Rosengarten als bester Deutscher 17. vor Ines Schulz als 26. und Julia Ruess, die auf den 31. Platz kam. Ines wurde mit diesem Ergebnis vierte bei den Mädchen. Der Titel bei den U15 ging wieder an den hervorragenden Geronimo Nores vom heimischen Miami Yacht Club. Zweiter wurde Peter Gill von dem Bermudas vor Koji Kiuchi aus Japan. Vierter wurde Hugo Stubler aus Frankreich, vor dem Deutschen Andrea Stowasser, der aber auch für Frankreich startete. Thijs Wijnheijmer aus den Niederlanden wurde elfter mit großem Vorsprung vor dem Nächstplatzierten. Der Inhaber und Träger unserer "goldenen Pumpe" hatte auch beim Adventure Race mit dem 4. Platz ein tolles Ergebnis. Ines Schulz konnte dabei nicht mithalten und verlor am Ende den sicher geglaubten 3.Platz in der Mädchenwertung. So wird aus "Fun" leider noch berechtigter Ärger. Insgesamt haben unsere U15 noch viel Potential nach oben.

U15

Das gilt auch für unsere open-Segler. Patrick Ruess wurde nach einer durchwachsenen Leistung sechster. Basti Glatz landete auf dem neunten Platz direkt vor Luca Stadelhofer de Moraes auf dem 10. Platz. Zwischen diesen beiden und Patrick klaffte eine Lücke von über 100 Punkten, Patrick lag seinerseits rund 30 Punkte hinter dem fünften und 150 Punkte hinter den Medaillenrängen. Da zeigte sich schon, dass Patrick und Basti dem O'pen BIC eigentlich schon entwachsen sind und international nur noch bei Starkwind deutlich über 3 bft. mithalten können. Folgerichtig werden wir die beiden im nächsten Jahr nicht mehr auf dem O'pen BIC sehen und wünschen Ihnen viel Erfolg in Ihren neuen Klassen.

Der open-Wettbewerb wurde von Nic Müller aus den USA vor Andre Reguero aus Puerto Rico und dem Franzosen Hugo Stubler gewonnen.  Wenn wir auf die Medaillenplätze schauen, klangen mit Müller, Gill, Herbert und Wolman zumindest die meisten Namen deutsch. Trotzdem war diese WM für alle Beteiligten aus Deutschland ein ganz tolles Erlebnis. Eine Woche segeln auf einem Gewässer, von dem wir in Deutschland nur träumen können, interessante Ausflüge in einem tollen Land, ein internationaler Wettbewerb mit ganz toller Stimmung und ein Pokal für Jill, was will man eigentlich mehr.

…. und herzlichen Dank

Ein ganz ganz großes Dankeschön geht an Nicole und Urs Ruess, die dieses Event für alle Beteiligten ganz toll vorbereitet haben und auch hier vor Ort alles perfekt im Griff hatten. Sie haben sich dabei nicht nur um ihre eigenen Kinder gekümmert, sondern waren auch tolle Ersatzeltern für die allein Gereisten. So etwas gibt es wohl nur bei uns, in der O'pen BIC Familie.

Nachdem die WM 2013 an den Gardasee vergeben wurde, haben wir die Zeit zusätzlich genutzt, um uns für die Ausrichtung der WM 2014 in Deutschland zu bewerben. Das wurde von der internationalen O'pen BIC KV insgesamt sehr positiv aufgenommen und nun liegt es an uns, dies auch zu realisieren. Unsere kritischen Anmerkungen zur Organisation der WM in Florida sollten wir dann beachten und zeigen, wie es noch besser geht

 

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